Leseprobe · Kostenlos

Ich, Herr Friedrich und
die Abnehmspritze

Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen — bevor du kaufst.

Prolog
So geht es nicht weiter

Ich habe die Scham so tief vergraben, dass nicht einmal meine besten Freunde sie sehen konnten.

Das ist kein Satz, den man so einfach schreibt. Ich habe ihn mehrmals gelöscht, während ich diese erste Seite getippt habe. Und dann doch wieder hingeschrieben. Weil er der ehrlichste Satz ist, mit dem ich dieses Buch beginnen kann. Und weil ich glaube, dass du ihn vielleicht kennst.

Diesen Satz. Dieses Gefühl.

Ich war nicht unglücklich. Das ist wichtig zu verstehen.

Ich war einfach nur verdammt müde. Und ich meine nicht diese „Ich-habe-schlecht-geschlafen"-Müdigkeit, die man mit zwei starken Tassen Kaffee wegdrücken kann. Ich meine diese andere Sorte. Die Sorte, die sich heimlich in deinen Alltag schleicht, sich auf deine Schultern setzt und irgendwann überall mitschwingt. Beim Aufstehen. Beim Anziehen. Beim Blick in den Spiegel morgens, den man irgendwann einfach schneller macht.

Müde vom ewigen Versuchen.
Müde von den immer gleichen Diät-Versprechen.
Müde davon, jeden verdammten Tag gegen den eigenen Körper in den Krieg zu ziehen, nur um am Ende doch wieder als Verliererin vom Platz zu gehen.

Ich kenne die Runde. Ich habe sie oft genug gedreht. Der Januar mit dem neuen Vorsatz. Die App, die man herunterlädt und nach drei Wochen wieder löscht. Die Bekannten, die einem schwungvoll erklären, dass man doch einfach „weniger essen" müsse, als wäre man selbst darauf noch nicht gekommen. Die Waage, die man irgendwann ins hinterste Regal des Badezimmerschranks verbannt, weil man sie nicht mehr sehen kann. Oder will.

Dann kam der Tag in der Umkleidekabine.

Ein paar Monate zuvor stand ich in einer dieser engen Umkleidekabinen und versuchte, eine Jeans zu schließen. Erst ganz normal. Dann mit tiefem Luftholen. Dann mit dieser speziellen, leicht verdrehten Verrenkung, bei der man so tut, als wäre das eine hochkomplexe Anziehtechnik und kein verzweifelter letzter Versuch, die Realität wegzudrücken.

Die Jeans hatte allerdings eine völlig andere Meinung als ich.

Ich stand da, halb eingezwängt, halb beleidigt, und betrachtete mich in diesem gnadenlosen Spiegellicht. Wer auch immer diese Beleuchtung in Umkleidekabinen erfunden hat, muss ein Sadist sein – dieses Licht wurde offenbar speziell dafür entwickelt, Menschen innerhalb von Sekunden emotional zu destabilisieren.

Es gibt kein nüchterneres, erbarmungsloseres Licht auf der Welt. Tageslicht ist dagegen reine Schmeichelei.

Irgendwo in meinem Kopf räusperte sich eine Stimme. Trocken. Bestimmt. Unnachgiebig.

Kabinenchef Friedrich.

Herr Friedrich

„Diese Hose hat offenbar eine klare Meinung zum aktuellen Status quo. Und sie ist nicht bereit, darüber zu verhandeln."

Vielen Dank, Herr Friedrich. Wirklich sehr hilfreich in diesem Moment.

Rückblickend war das kein dramatischer Hollywood-Moment. Niemand hat geweint, es setzte keine traurige Klaviermusik ein und die Welt hat sich ganz normal weitergedreht. Aber es war einer dieser kleinen, stechenden Augenblicke, in denen man kurz innehält und begreift: Meine bisherige Strategie funktioniert einfach nicht mehr.

Meine Strategie war bisher übrigens verblüffend simpel: Ignorieren.

Nach außen habe ich mir nichts anmerken lassen. Ich habe funktioniert. Gearbeitet. Gelacht. Meine Termine eingehalten und sehr überzeugend so getan, als wäre alles völlig normal. Mein Gewicht war kein Thema – zumindest keins, über das ich gesprochen hätte. Das Jammern hatte genau einen exklusiven Empfänger: meinen Freund. Der durfte sich regelmäßig anhören, dass meine gesamte Garderobe beim Waschen eingelaufen war. Mehrfach. Über Monate hinweg. Offenbar besitze ich ausschließlich Textilien aus besonders empfindlicher Baumwolle.

Alle anderen bekamen die entspannte Version von mir. Die Version mit dem Humor. Humor ist nämlich ein erstaunlich gutes Tarnmittel. Wenn du über dich selbst lachst, merkt oft niemand, dass du gerade versuchst, ein Thema elegant zu überspielen, das dir eigentlich die Kehle zuschnürt. Ich habe das jahrelang sehr professionell betrieben.

Herr Friedrich

„Strategisches Weglachen. Eine beliebte Methode, um den Sinkflug zu ignorieren. Aber die Tankanzeige lügt nicht."

Ich weiß, dass selbst meine engsten Freunde verwundert sein werden, wenn sie das hier lesen. Nach außen hin war ich die, die alles im Griff hatte. Die, die im Dienst funktionierte, meistens gut drauf war und für jeden ein offenes Ohr hatte.

Niemand sah das Trümmerfeld hinter dieser Fassade. Niemand ahnte, wie viel Kraft es mich kostete, jeden Morgen die Maske der unkomplizierten, belastbaren Lady aufzusetzen, während ich innerlich vor Erschöpfung fast zusammenbrach. Ich habe die Scham so tief vergraben, dass nicht einmal meine besten Freunde oder Eltern sie sehen konnten. Ich wollte niemanden mit meinem vermeintlichen „Versagen" belasten. Also habe ich es hinter „alles ist super" und kleinen Witzen versteckt.

Ich habe nichts dramatisiert. Ich habe organisiert, relativiert, ignoriert und auf morgen verschoben. Wir Menschen können erstaunlich viel Energie ins Wegschauen investieren, solange wir noch einen Funken Kraft haben. Aber irgendwann wurde genau das anstrengender als alles andere.

Eine Liebesbeziehung hatten wir beide schon lange nicht mehr. Viel zu lange habe ich meinen Körper wie ein Projekt behandelt. Etwas, das man optimieren, kontrollieren oder notfalls einfach ignorieren kann.

Spoiler: Der Körper hat dazu eine sehr dezidierte eigene Meinung.

Aber irgendwann habe ich aufgehört, ihn als ein Problem zu betrachten, das gelöst werden muss. Und angefangen, ihn als das zu sehen, was er ist: mein Körper.

Der, mit dem ich jeden Tag lebe. Der mich durch meinen Alltag trägt. Und der sich plötzlich erstaunlich kooperativ zeigt, wenn man aufhört, ständig gegen ihn zu kämpfen.

Dieses Buch erzählt meinen Weg.

Nicht als die perfekte, glattgebügelte Erfolgsgeschichte und ganz sicher nicht als heroische Heldenreise mit einem strahlenden, weichgezeichneten Vorher-Nachher-Foto auf der letzten Seite. Sondern als ehrlichen Bericht aus der Realität – mit all den Zweifeln, den Umwegen, den kleinen Triumphen, den frustrierenden Momenten und den Fehlern, die ich heute nicht mehr machen würde.

Übergewicht hat unendlich viele Experten. Die meisten davon habe ich allerdings nie um ihre Meinung gebeten – was sie erstaunlicherweise nie davon abgehalten hat, sie mir trotzdem ungefragt unter die Nase zu reiben.

Herr Friedrich

„Fachwissen aus der Kommentarspalte. Gefährliches Halbwissen auf Reiseflughöhe. Wir ignorieren das Protokoll und halten uns an die Fakten."

Diesen Weg bin ich nicht gegangen, um irgendwem zu gefallen. Ich bin ihn gegangen, weil ich irgendwann verstanden habe, dass Wegschauen auch eine Entscheidung ist. Nur eben keine besonders gute.

Ich wollte endlich wissen, wie es sich anfühlt, wieder auf meiner eigenen Seite zu stehen.

Das hier ist die Antwort.

Möchtest du mehr lesen?

Das komplette Buch — fünf Jahre Suche, ein Jahr Abnehmspritze, ein Leben mit gesunder Leber. Ca. 200 Seiten, sofort als PDF verfügbar.

Buch jetzt kaufen — 12,90 €

📄 E-Book als PDF · Sofort-Download nach Kauf · Sichere Zahlung via Digistore24