Fünf Jahre Fachklinik, immer derselbe Rat. Was dann tatsächlich geholfen hat, stand in keinen Unterlagen.
Es fing mit Long Covid an. Acht Monate, in denen ich nach jeder kleinen Anstrengung eine Pause brauchte. Der Stoffwechsel tat irgendwas, das ich nicht verstand — das Gewicht stieg, obwohl sich an meiner Ernährung nichts geändert hatte. Ich probierte, was man eben probiert: Intervallfasten, Low-Carb, Shakes, eine Beauty-Behandlung mit sehr großen Versprechen. Und jedes Mal, wenn es wieder nicht funktionierte, dachte ich dasselbe: Das liegt an mir. Ich hab nicht genug Disziplin. Andere schaffen das — ich nicht.
Das ist das Gemeine daran, wenn es jahrelang nicht klappt: Irgendwann glaubst du, was du dir die ganze Zeit sagst. Du ziehst dich kaum merklich zurück. Fotos von dir sind ein Problem. Du lehnst Dinge ab, für die du früher Ja gesagt hättest — nicht weil du nicht willst, sondern weil du dich mit dir selbst nicht wohlfühlst. Das hat nichts mit Eitelkeit zu tun. Das ist einfach, was passiert, wenn der eigene Körper sich anfühlt wie etwas, das gegen einen arbeitet.
Parallel dazu: fünf Jahre Fachklinik an der Uni Frankfurt. Kontrollen, Blutabnahmen, Ultraschall — und immer wieder derselbe Satz: Nehmen Sie ein bisschen ab. Die Diagnosen kamen irgendwann wie Nebenbemerkungen. Fettleber. Insulinresistenz. Leberfibrose. Was sie zusammen bedeuten, ob ich damit sterbe oder lebe, was ich konkret tun kann: Das stand nicht auf dem Zettel, den ich mit nach Hause nahm. Am Ende hat mir ChatGPT mehr erklärt als fünf Jahre Klinikbesuche. Ich finde das immer noch etwas seltsam, wenn ich daran denke.
Ich fing an, selbst zu recherchieren. Bin auf Tirzepatid gestoßen, auf Studien, auf Mechanismen, die erklärten, was in meinem Körper passiert — und warum Willensstärke allein nie die Lösung sein konnte. Mit 44, 30 Kilo Übergewicht und einer Fibrose in der Akte habe ich mich für die Abnehmspritze entschieden. Kein Arzt hat das empfohlen.
Nach zehn Wochen gingen meine Leberwerte erstmals seit Jahren messbar nach unten. Der Ultraschall nach einem Jahr: Leber unauffällig, keine Fibrose mehr. Mein Arzt hat die Diagnose aus der Akte gestrichen und die Behandlung beendet — nach fünf Jahren. Das Gewicht hatte sich in dieser Zeit um 30 Kilo verändert. In neun Monaten.
Covid im Herbst 2021, Erholung über viele Monate. Kein Sport, kaum Belastbarkeit. Das Gewicht stieg trotz gleichbleibender Ernährung, weil der Stoffwechsel im Sparmodis lief. Alles probiert — nichts funktioniert.
Während eines anderen Krankenhausaufenthalts zeigte der Ultraschall eine auffällige Leber. Überweisung an die Universitätsklinik Frankfurt, Fachklinik für Lebererkrankungen. Damit begann eine fünfjährige Beziehung, die in schöner Regelmäßigkeit mit dem Satz endete: Nehmen Sie ein bisschen ab.
Die Diagnosen kamen nacheinander, jede als Nebenbemerkung. Was sie zusammen bedeuten, welche die andere bedingt, was dagegen tatsächlich hilft — das stand nicht auf dem Befundbogen.
Ich fing an zu lesen: Studien, Mechanismen, Fachliteratur. Verstand, warum Insulinresistenz das Abnehmen strukturell verhindert — und warum Disziplin allein dabei keine Rolle spielt. Entschied mich für Tirzepatid.
Zum ersten Mal seit Jahren verbesserten sich meine Leberwerte messbar. Das Gewicht auch. Ich hatte mit beidem nicht so schnell gerechnet.
Der Arzt schaute beim Ultraschall länger hin als sonst. Dann: Leber unauffällig, keine Fibrose mehr. Die Diagnose aus der Akte gestrichen, Behandlung nach fünf Jahren beendet. Gewicht: 30 Kilo weniger in neun Monaten.
Das Merkwürdigste am Ankommen ist, wie still es ist. Kein Triumphgefühl. Eher das Gegenteil: ich merkte irgendwann, dass ich auf Fotos nicht mehr sofort wegschaue. Dass ich Dinge wieder tat, für die ich jahrelang Ausreden gehabt hatte. Niemand erklärt einem vorher, dass das passiert. Genauso wenig wie alles andere, was zu einer Fettleber-Diagnose dazugehört.
Wenn man einen Befund mit nach Hause nimmt und anfängt zu googeln, landet man entweder auf Medizinseiten voller Fachbegriffe oder auf Wellnessseiten voller Versprechen. Beides hilft auf seine Art nicht weiter. Was ich mir gewünscht hätte: jemanden, der erklärt, was in diesem Körper passiert. Ohne Katastrophisieren, ohne Heilsversprechen. Nur: das ist der Mechanismus, das kannst du tun, das bringt dir nichts.
Das versuche ich hier zu sein. Keine Ärztin, keine Influencerin. Nur jemand, der das kennt — und ein bisschen gründlicher recherchiert hat als der Durchschnitt.
Falls du gerade mit einem ähnlichen Befund dasitzt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das verändern lässt, ist wahrscheinlich größer, als du gerade denkst.
„Meine Leber hat mir nicht geholfen — das musste ich selbst tun. Aber sie hat mitgespielt, sobald ich aufgehört habe, sie zu sabotieren."
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