Es gibt diesen Moment, den viele kennen: Du isst weniger, du bewegst dich mehr, du verzichtest sogar auf die Schokolade — und die Waage zeigt nach zwei Wochen exakt dieselbe Zahl wie vorher. Manchmal sogar eine höhere.
In solchen Momenten ist die naheliegendste Erklärung leider auch die grausamste: Ich mache etwas falsch. Mir fehlt die Disziplin. Die anderen schaffen es doch auch.
Ich habe das jahrelang geglaubt. Heute denke ich, dass diese Erklärung in vielen Fällen einfach nicht stimmt.
Die Waage zeigt nicht, was du denkst
Was die Waage misst, ist dein Gesamtgewicht — also alles auf einmal: Fett, Muskeln, Wasser, Verdauungsinhalt und noch einiges mehr. Schon etwas mehr Salz am Vortag, ein intensives Training oder eine schlechte Nacht können dazu führen, dass der Körper Wasser einlagert und die Waage tagelang stillsteht, obwohl sich darunter längst etwas verändert.
Ich habe irgendwann angefangen, dem Maßband mehr zu vertrauen als der Waage. Auch Bauchumfang, Kleidungsgröße und allgemeines Wohlbefinden erzählen oft die ehrlichere Geschichte. Das Maßband lügt deutlich seltener.
Wenn der Stoffwechsel die Bremse zieht
Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf das Hormon Insulin. Der Körper produziert daraufhin mehr davon — und ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel steht häufig in Zusammenhang mit verstärktem Hunger, Heißhungerattacken und einer erschwerten Gewichtsabnahme.
Wer ständig das Gefühl hat, gegen den eigenen Körper zu kämpfen, obwohl die Zahlen eigentlich stimmen sollten, dem lege ich nahe: Ein Blick auf den Stoffwechsel kann sich lohnen. Nicht weil man etwas falsch gemacht hat — sondern weil manchmal die Rahmenbedingungen einfach andere sind.
Schlaf ist kein Luxus
Zu wenig Schlaf beeinflusst Hunger- und Sättigungssignale deutlich stärker, als die meisten ahnen. Nach schlechten Nächten greifen viele häufiger zu Süßem oder schnellen Kohlenhydraten — nicht aus Schwäche, sondern weil der Körper nach Energie ruft. Wer dauerhaft schlecht schläft, kämpft deshalb auf einem anderen Spielfeld als jemand, der gut schläft.
Die Fettleber als stiller Faktor
Eine Fettleber wird oft unterschätzt, weil sie lange keine Beschwerden macht. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwierigkeiten beim Abnehmen — das alles wird gerne anderen Ursachen zugeschrieben. Dabei steht die nicht-alkoholische Fettleber häufig in engem Zusammenhang mit Insulinresistenz und Übergewicht und kann den Stoffwechsel auf eine Weise belasten, die von außen unsichtbar ist.
Was ich heute anders sehe
Jahrelang war ich überzeugt, ich müsste mich nur noch mehr anstrengen. Irgendwann würde es schon klappen. Heute weiß ich, dass mein Stoffwechsel längst die Handbremse angezogen hatte — und dass keine Menge Disziplin einen blockierten Insulinhaushalt oder eine verfettete Leber einfach wegtrainiert.
Die Frage, die mich heute beschäftigt, ist nicht mehr: Warum schaffe ich das nicht? Sondern: Was passiert eigentlich in meinem Körper?
Das ist ein anderer Ausgangspunkt. Und für mich war es der richtige.